Unsere Gute-Nacht-Geschichten
Bruno und die verschwundene Gute Nacht
Mila und die Wolke mit dem Sockenbauch
Oskar und die Schnecke im Ringelsocken
Tilda und der Schatten mit den kalten Füßen
Nuri und der Kissenbus zur Kuschelhaltestelle
Pelle und die Sternenkrümel im Schnabel
Frieda und das Theater der leisen Geräusche
Leni und der Traum, der rückwärts anfing
Kalle und die Schlafglocke ohne Bimmel
Ada und die achtarmige Aufräumpanne
Vorhang auf am Teich

Frieda hatte ein Theater gebaut. Ein großes Blatt war die Bühne. Zwei kleine Blätter waren die Vorhänge.
„Quaaak!“, rief sie.
Maus Tamo setzte sich davor.
„Sehr schön. Aber heute ist eine Abendvorstellung.“
Frieda schaute auf die rosa Wolken.
„Dann brauchen wir Abendgeräusche!“
Tamo rückte seine Weste zurecht.
Die Probe mit dem Plopp

Frieda stupste einen winzigen Tropfen von einem Blatt.
Er fiel in den Teich.
Plopp.
Tamo beugte sich vor.
„Das war klein.“
„Das war mein Tropfenauftritt“, sagte Frieda.
Tamo klatschte mit zwei Fingerspitzen.
Frieda verbeugte sich.
Ein Theater konnte also auch mit einem winzigen Plopp anfangen.
Ein Vorhang raschelt

Tamo bewegte einen Blattvorhang.
Raschel.
Frieda lauschte.
„Das klingt, als würde ein Salat sich umdrehen.“
Tamo bewegte das Blatt noch einmal.
Diesmal ganz langsam.
Rrrsch.
„Ein müder Salat“, sagte Frieda.
Beide lachten leise.
Der Vorhang blieb danach still hängen.
Die Grille vergisst den Anfang

Eine kleine Grille kam auf die Bühne.
Sie wollte ein Lied spielen.
Doch sie fing dreimal mit demselben Ton an.
Zirp. Zirp. Zirp.
„Ich habe den nächsten Ton vergessen“, sagte sie.
Frieda nickte.
„Dann ist das eben ein Drei-Zirp-Lied.“
Die Grille spielte es noch einmal.
Nun klang es genau richtig.
Friedas Quak ist zu groß

Nun war Frieda dran.
Sie holte Luft und machte:
„QU…“
Dann hielt sie an.
Das Quak war für die kleine Bühne sehr groß geworden.
„Ich kann auch leiser“, sagte sie.
Sie atmete aus und versuchte es noch einmal.
„Quak.“
Tamo lächelte.
„Jetzt sitzt dein Quak auf einem einzigen Blatt.“
Ein leises Quak-Duett

Tamo konnte nicht quaken.
Er konnte nur piepsen.
„Dann machen wir ein Quak-Piep-Lied“, schlug Frieda vor.
Quak.
Piep.
Quak.
Piep.
Die Grille hörte zufrieden zu.
Frieda merkte: Zusammen mussten sie gar nicht laut sein.
Das kleine Lied passte wunderbar in den warmen Abend.
Applaus mit Blättern

Zum Schluss rieb Tamo zwei kleine Blätter sanft aneinander.
Raschel, raschel.
„Das ist unser Abendapplaus“, sagte er.
Frieda verbeugte sich.
Die Grille verbeugte sich auch.
Dann verbeugte sich Tamo.
Nun mussten alle kichern.
Sie waren gleichzeitig Publikum und Schauspieler gewesen.
Das sparte viele Theaterstühle.
Der Vorhang schläft

Frieda zog die Blattvorhänge zu.
„Die nächste Vorstellung ist morgen“, flüsterte sie.
Tamo ging zu seinem Moosbett.
Die Grille zog ein Blatt über ihre Beinchen.
Frieda legte sich auf ihr weiches Moospolster am Ufer.
Niemand brauchte noch einen Auftritt.
Auch die Bühne durfte Pause machen.
Der Teich spielt weiter

Frieda lauschte noch einen Moment.
Ein Tropfen machte plopp.
Ein Blatt machte raschel.
Weit weg zirpte eine andere Grille.
Der Teich hatte seine eigene Abendmusik.
Ganz ohne Vorhang.
Frieda legte die Hände auf ihren Bauch.
Er hob sich ein wenig.
Und senkte sich wieder.
Gute Nacht, kleine Bühne

Tamo schlief schon.
Die kleine Grille ruhte unter ihrem Blatt.
Friedas Augen waren geschlossen.
Das Theater stand still am Teich.
Die Vorhänge bewegten sich kaum.
Morgen würden neue Geräusche kommen.
Heute war genug gespielt.
Ein letzter Tropfen fiel.
Plopp.
Dann wurde der Abend ganz weich.