Unsere Gute-Nacht-Geschichten
Bruno und die verschwundene Gute Nacht
Mila und die Wolke mit dem Sockenbauch
Oskar und die Schnecke im Ringelsocken
Tilda und der Schatten mit den kalten Füßen
Nuri und der Kissenbus zur Kuschelhaltestelle
Pelle und die Sternenkrümel im Schnabel
Frieda und das Theater der leisen Geräusche
Leni und der Traum, der rückwärts anfing
Kalle und die Schlafglocke ohne Bimmel
Ada und die achtarmige Aufräumpanne
Ein Hase an der Wand

Tildas Kuschelhase saß vor der Nachttischlampe. Sein Schatten hatte riesige Ohren.
Tilda zeigte darauf.
„Mama, der Wandhase ist viel größer als meiner!“
Mama setzte sich zu ihr.
„Deine Lampe macht das. Wir können dem Schatten beim Verändern zusehen.“
Tilda grinste. „Dann spielen wir Wandhasen.“
Das Ohrenwackeln

Tilda wackelte mit einem Hasenohr.
Der Wandhase wackelte mit.
„Du machst alles nach!“, sagte Tilda mit ihrer Spielstimme.
Mama antwortete für den Schatten:
„Ich bin heute im Nachmach-Dienst.“
Tilda wackelte mit beiden Ohren.
An der Wand sah das aus wie zwei tanzende Nudeln.
Kalte Schattenfüße

„Mein Wandhase hat kalte Füße“, erfand Tilda.
Sie hielt ihre Hausschuhe unter seine Schattenpfoten.
Die Hausschuhe machten zwei neue Schatten.
Nun sah der Hase aus, als hätte er riesige Entenfüße.
Mama lachte leise.
„Damit könnte er prima durch Pfützen patschen.“
Tilda machte: „Patsch. Patsch.“
Ein Hut aus Händen

Mama formte mit ihren Händen einen kleinen Schattenhut.
Tilda setzte ihren Hasen davor.
Der Wandhase hatte nun einen Hut mit einer Delle.
„Da wohnt bestimmt ein Schattenkrümel“, sagte Tilda.
„Ein sehr kleiner“, sagte Mama.
Der Hut wackelte.
Der Hase wackelte.
Der Krümel war nur ausgedacht.
Groß, klein, mittel

Tilda schob den Hasen näher an die Lampe.
Sein Schatten wurde größer.
Dann schob sie ihn weiter weg.
Der Schatten wurde kleiner.
„Ein Aufblas-Hase!“, rief sie.
„Ein Licht-Hase“, sagte Mama.
„Er verändert sich, ohne dass dein Kuschelhase wächst.“
Tilda drückte den echten Hasen.
Der war immer noch genau richtig weich.
Der Schatten bekommt ein Bett

Tilda legte ein kleines Kissen vor die Lampe.
Der Hasenschatten setzte sich darauf.
„Bitte nicht hüpfen“, sagte Tilda.
„Dein Kissen ist an die Wand gemalt.“
Mama antwortete mit der Schattenstimme:
„Dann liege ich heute eben sehr flach.“
Tilda kicherte.
So flach konnte nicht einmal ihr Pfannkuchen liegen.
Ein echtes Kuschelbett

„Unser Spiel ist gleich zu Ende“, sagte Mama.
„Wen nehmen wir mit ins Bett?“
Tilda hob ihren echten Hasen hoch.
„Diesen hier. Den kann ich knuddeln.“
Der Wandhase rutschte zur Seite, als Tilda sich bewegte.
„Gute Nacht, Nachmach-Hase“, sagte sie.
„Morgen kannst du wieder riesige Ohren haben.“
Das Licht wird weich

Mama drehte die Nachttischlampe dunkler.
Die Schatten wurden sanfter.
Tilda lag schon unter der Decke.
Ihr Hase schaute mit einem Ohr heraus.
„Hat er jetzt warme Füße?“
„Unter deiner Decke bestimmt“, sagte Mama.
Tilda zog die Decke ein winziges Stück höher.
Nur bis zu den Hasenpfoten.
Mama bleibt noch kurz

Mama blieb einen Moment neben dem Bett sitzen.
Tilda streichelte das weiche Hasenohr.
Einmal.
Dann noch einmal.
Draußen rauschte ein Baum.
Drinnen war alles vertraut.
„Gute Nacht, Tilda.“
„Gute Nacht, Mama.“
Tilda schloss die Augen.
Den Wandhasen musste sie nicht festhalten. Ihren Kuschelhasen schon.
Ein Ohr auf dem Kissen

Auf Tildas Kissen lag ein langes Hasenohr.
Darunter schlief Tilda.
Die Lampe leuchtete nur noch ganz weich.
An der Wand war nichts Wichtiges mehr zu sehen.
Die kalten Schattenfüße waren eine Spielidee gewesen.
Die warmen Hasenpfoten lagen unter der Decke.
Tilda träumte ruhig.
Und ihr Hase kuschelte mit.