Unsere Gute-Nacht-Geschichten
Bruno und die verschwundene Gute Nacht
Mila und die Wolke mit dem Sockenbauch
Oskar und die Schnecke im Ringelsocken
Tilda und der Schatten mit den kalten Füßen
Nuri und der Kissenbus zur Kuschelhaltestelle
Pelle und die Sternenkrümel im Schnabel
Frieda und das Theater der leisen Geräusche
Leni und der Traum, der rückwärts anfing
Kalle und die Schlafglocke ohne Bimmel
Ada und die achtarmige Aufräumpanne
Das Pferd wartet schon

Leni hielt ihr kleines Spielzeugpferd fest. Papa hatte sie zugedeckt.
„Welche Geschichte erzählst du ihm heute?“, fragte er.
Leni dachte nach.
„Eine, die hinten anfängt.“
Papa lächelte. „Das kann ein spannender Traum werden.“
Er gab ihr einen Kuss.
Leni legte den Kopf aufs Kissen und schloss die Augen.
Auf Wiedersehen zuerst

Im Traum stand Leni auf einem Weg aus weichem Licht. Ihr Spielzeugpferd war plötzlich groß genug zum Danebensitzen.
„Auf Wiedersehen!“, sagte es.
Leni winkte. Dann hielt sie inne.
„Aber wir haben uns noch gar nicht begrüßt!“
Das Pferd nickte.
„Mein Traum ist heute rückwärts angezogen.“
Die Sonne geht ins Bett

Am Himmel hing eine gelbe Sonne. Sie trug eine blaue Schlafmütze.
„Guten Morgen“, murmelte die Sonne.
Dann kuschelte sie sich hinter eine rosa Wolke.
Leni musste lachen.
„Du sagst Guten Morgen und gehst schlafen?“
„Im Traum darf ich das“, sagte die Sonne.
„Meine Mütze ist nämlich schon müde.“
Ein Keks wird wieder rund

Auf einem kleinen Tisch lagen drei Traumkekskrümel.
Sie hüpften zusammen.
Plötzlich lag dort ein ganzer runder Keks.
Leni staunte.
„Im Wachsein passiert das andersherum.“
Das Pferd schnupperte.
„Dann ist das hier eine Krümelreparatur.“
Leni ließ den Traumkeks liegen.
Sie wollte erst herausfinden, wo der Weg anfing.
Die Wegweiser zeigen überallhin

Drei bunte Pfeile standen am Weg. Sie zeigten nach links, nach rechts und nach unten.
Keiner hatte ein Wort darauf.
„Welcher Pfeil kennt das Bett?“, fragte Leni.
Das Pferd sah unter seine Hufe.
„Der nach unten kennt nur meine Füße.“
Leni setzte sich neben es.
Pfeile konnten im Traum also ziemlich albern sein.
Eine Begrüßung für die Mitte

Leni hatte eine Idee.
Sie strich dem Pferd über seine weiche Mähne.
„Hallo, liebes Pferd.“
Das Pferd lächelte.
„Hallo, liebe Leni.“
Auf einmal fühlte sich der rückwärtige Traum nicht mehr verdreht an.
„Wir müssen nicht alles umdrehen“, sagte Leni.
„Wir können einfach hier anfangen.“
Das Pferd nickte. Seine Mähne kitzelte ihre Hand.
Ein Weg aus Kissen

Neben ihnen erschien ein Weg aus kleinen Kissen.
Er führte zu einer weichen Wolkenbank.
Leni und das Pferd gingen langsam los.
„Welches Kissen ist das erste?“, fragte das Pferd.
„Das direkt vor unseren Füßen“, sagte Leni.
Das war eine gute Antwort.
Sie brauchten keinen Pfeil und keine Krümelreparatur mehr.
Die Wolkenbank ist weich

Leni setzte sich auf die Wolkenbank. Das Pferd legte den Kopf neben sie.
Am Himmel gähnte die Sonne hinter ihrer Wolke.
„Gute Nacht“, sagte Leni.
Die Sonne lächelte im Schlaf.
Das Pferd schloss seine Augen.
Ob Anfang oder Ende: Eine weiche Pause passte an jede Stelle dieses Traums.
Der Traum wird leiser

Die rosa Wolken wurden ganz blass.
Der Kissenweg verschwamm.
Leni spürte ihr eigenes Kissen unter dem Kopf.
Ihr echtes Spielzeugpferd lag klein in ihrer Hand.
Sie musste nicht aufwachen, um das zu wissen.
Ihr Traum war weich geworden.
Der Anfang konnte warten.
Und das Ende durfte sich schon ausruhen.
Alles liegt richtig herum

In Lenis Zimmer stand nichts auf dem Kopf.
Die Decke lag über ihr.
Das Kissen lag unter ihr.
Das Pferd lag in ihrem Arm.
Draußen war Nacht.
Drinnen war es gemütlich.
Leni schlief weiter.
Und irgendwo in ihrem Traum winkte ein Pferd ganz leise.
Diesmal erst nach der Begrüßung.